Safety first! Achte immer auf deine Sicherheit, trage geeignete Schutzausrüstung! Atemmaske für organische Gase mit brauner Kennzeichnung auf dem Filter beim Abformen und Gießen, schnittfeste Handschuhe bei Glasfaser, Schutzbrille beim Dremeln

3D Druck

Anfangs habe ich viel recherchiert und lange überlegt wie ich an dieses Projekt rangehe. Klar war nur eines: Ich möchte ein präzises Modell erstellen und eine stabile und authentische Maske bauen. Einige Herangehensweisen wie Schaumstoff und Worbla habe ich direkt verworfen weil es damit nicht möglich ist, die Lamellen der Lufteinlässe so präzise wiederzugeben, Es lief dann darauf raus, dass ich die Maske entweder komplett von Hand mit einer ölbasierten Modelliermasse modelliere oder auf einer 3D gedruckten Maske aufsetze. Aus Zeitgründen fiel meine Wahl auf das 3D Modell. Nachdem ich mir so viele Referenzen wie möglich genau angeschaut hatte um ein Gefühl für die Proportionen und den Aufbau zu bekommen ging es um die Frage ob ich das 3D Modell selbst erstelle oder ein fertiges Modell verwende. Ich bin bei meiner Suche nach geeigneten Modellen auf ein sehr akkurates Modell auf cgtrader gestoßen. Die Entscheidung für dieses Modell ist ganz einfach eine wirtschaftliche, da ich es niemals in unter 30 Stunden geschafft hätte sie selbst zu modellieren. Daher habe ich dieses Modell gekauft und verwendet.

Bevor es los ging habe ich allerdings noch einige Änderungen am Modell vorgenommen. Da das Modell in einem Stück war und so sehr viel Stützmaterial notwendig gewesen wäre habe ich es in 3 Teile zerlegt und für eine stabile Verbindung Stifte und passende Aushöhlungen hinzugefügt. Nachdem alle Teile gedruckt waren wurden sie mit Kunststoffkleber und Klemmen sorgfältig verklebt. Dieser Schritt ist sehr wichtig, da die Maske beim Finishen und Abformen relativ hohe Kräfte aushalten muss und der Spalt absolut unsichtbar sein muss und nicht aufbrechen darf.

Gedruckte Teile finishen

Entgegen der Vorstellung, die die meisten Laien von 3D gedruckten Teilen haben kommen diese nie mit sauberer Oberfläche aus dem Drucker. Ich habe dieses Teil mit einer Schichtenauflösung 100 Micron gedruckt aber selbst wenn ich die minimale Schichtdicke von 50 Micron verwendet hätte wären die Schichtlinien deutlich fühlbar gewesen. Bei organisch geformten Objekten wie Tierschädeln oder ähnlichem fällt das nicht weiter auf und die Rillen werden auch meistens von der großzügig aufgetragenen Acrylfarbe gefüllt. In meinem Fall hat das Modell aber ebene Flächen und die Maske soll am Ende auch mit einer glänzenden Metalliclackierung versehen werden. Bei glänzenden Lackierungen hängt der Grad des Glanzes massiv von der Glätte der Oberfläche ab. Daher musste die Oberfläche absolut eben und mit 1200er Schleifpapier nass geschliffen werden. Dazu verwende ich Presto Spritzspachtel, der in mehreren Durchgängen aufgesprüht und vorsichtig glatt geschliffen wird.

Silikonform

Bevor es ans Abformen ging habe ich die Maske mit unschamottiertem Ton auf einem Perückenkopf befestigt, die Ränder abgedichtet und einen Wall um die Maske herum gebaut.

Für die Silikonform habe ich das streichfähige Smooth-On Rebound 25 verwendet. Die Lufteinlässe der Maske zeigen nach hinten, bei der liegenden Maske also nach unten. Daher musste ich diese vorab einzeln mit kleinen Mengen Silikon füllen, damit es aushärten kann und nicht herausfließt. Danach wurde die Maske mit einer sehr dünnen Schicht Silikon überzogen. Diese erste Schicht ist die wichtigste, denn sie entscheidet darüber, ob wirklich alle Details des Modells sauber abgeformt werden. Es ist essenziell, dass alle Teile bedeckt sind und das Silikon in alle Vertiefungen kriecht ohne Luft einzuschließen. Daher ist es wichtig dass diese Schicht so dünn wie möglich ist, denn Luft kann durch eine dünne schicht sehr viel leichter entweichen als durch eine die nur einen Millimeter dicker ist. Nachdem der sogenannte Detail Layer ausreichend ausgehärtet war, sodass das Silikon nicht mehr fließt (das kann man wunderbar am Rührstab dieser Charge ausprobieren) wurde es Zeit für den zweiten, etwas dickeren Überzug. Bei jedem Überzug habe ich ein Bisschen Silikon in kleine Plastikbecher gefüllt, die kommen später zum Einsatz. Wenn das Modell an allen Stellen ca 8mm dick mit Silikon bedeckt ist werden die Vertiefungen mit verdicktem Silikon aufgefüllt. Dazu mische ich Smooth-On Thi-Vex hinzu, was das Silikon zu einer pastösen Masse macht, die nicht mehr fließt und in die Vertiefungen gespachtelt werden kann. Es ist wichtig, dass die äußere Seite der Silikonform so eben wie möglich wird, damit sie später perfekt in der Stützform sitzt und sich auch besser herauslösen lässt. Kleiner Tipp zu Thi-Vex: Wenn das schon älter ist mach vor der Verwendung eine Riechprobe. Wenn es nach Essig riecht ist es zu alt und funktioniert nicht mehr. Nicht tief einatmen, nur leicht dran Schnuppern!

Als nächstes wurden die Reste aus den kleinen Plastikbechern als Registrierungsmakren aufgesetzt. Das ganze wurde dann noch mit einer unverdickten Schicht Silikon überzogen, um kleine Unebenheiten auszugleichen und die Registrierungsmarken fest mit dem Rest zu verbinden.

Nachdem das Silikon vollständig ausgehärtet war konnte ich mit der Stützform anfangen. Vorsichtshalber lasse ich Silikon immer über Nacht stehen, achtet auf jeden Fall auf die Herstellerangaben zur Topf- und Aushärtezeit. Der Rand des Silikons wurde mit einer sehr scharfen Klinge gerade abgeschnitten. Dabei muss man aufpassen, dass man nicht zu nah am Modell schneidet. Danach wurde das Silikon mit zwei Lagen Mann Ease Release Trennmittel eingesprüht. Das sorgt dafür, dass sich später die Silikonform ohne große Probleme aus der Stützform löst. Die Stützform selbst wurde mit Smooth-On EpoxAmite und EpoxAcoat aufgepinselt und mit Glasfaserstücken verstärkt. Diese sorgen dafür, dass die Stützform nicht bricht, wenn sie zu stark belastet wird, was beim Entformen schon mal passieren kann. Als Glasfaser eignet sich am besten Glasfilamentgewebe, weil es sich wie Stoff sehr sauber zuschneiden lässt und nicht so spitze scharfe Kanten hat wie grobe Glasfasern. Dennoch: Lieber Schutzhandschuhe tragen, denn in Verbindung mit einem ausgehärteten Harz hat auch Glasfilamentgewebe messerscharfe Kanten.

Nach einer weiteren Nacht war die Form endlich fertig und ich konnte erst den Ton entfernen, dann die Ränder der Stützform mit dem Dremel versäubern und anschließend die Silikonform heraustrennen und das Modell befreien. 

Guss

Dank der Registrierungsmarken und der glatten Außenseite der Silikonform liegt diese absolut perfekt in der Stützform, sodass der Guss absolut nicht gezerrt oder gequetscht ist. Das ist ein Problem, das beispielsweise bei Blockformen auftreten kann, wenn die Hälften der Silikonform zu stark aufeinander gepresst werden.

Gegossen wurden die Masken mit Smooth-On Onyx, einem schwarzen Polyurethanharz. Da dieses sehr empfindlich auf Feuchtigkeit reagiert ist es wichtig, dass die Silikonform vor dem Guss so trocken wie möglich ist. Sonst bilden sich an der Oberfläche der Maske hässliche Luftblasen, die durch die Erwärmung des Harzes beim Aushärten entstehen. Ein Trick der sich da sehr gut bewährt hat ist das Abpudern der Silikonform mit Babypuder vor dem Gießen. Der Puder bindet die Feuchtigkeit und dient zusätzlich als Trennmittel. Dazu verwende ich einen sehr weichen Schminkpinsel.

Da die Form einteilig ist, also nur die Vorderseite und die Ränder der Maske abgeformt wurden, lässt sich der Guss sehr einfach in der offenen Form schwenken. Auch hier habe ich wieder im ersten Durchgang nur eine sehr dünne Schicht Onyx verwendet und diese dann mit weiteren Durchgängen verstärkt.

Die gegossenen Teile wurden mit dem Dremel von überschüssigem Plastik an den Rändern und der Augenpartie befreit und minimal mit Spritzspachtel ausgebessert.

Visor

Im Spiel hat die Maske als Auge einen durchgängig goldfarbenen Visor. Meine erste Idee war, dafür ein Spray von Looking Glass zu verwenden, das ich auch schon für einen silbernen einseitig durchsichtigen Visor verwendet habe. Allerdings gab es das nicht zu einem vernünftigen Preis in Gold, daher habe ich mich entschlossen, ein Wabenmuster auf den Visor zu lackieren um einerseits zu gewährleisten, dass man durch den Visor sehen kann und andererseits um ein kleines visuelles Detail hinzuzufügen.

Das Wabenmuster wurde mit dem Schneidplotter auf Oramask 810 Maskierfolie geplottet und auf PET-G Kunststoff übertragen, den ich schon grob zurecht geschnitten hatte.

Anschließend wurde der Visor von der Rückseite mehrmals mit sehr dünnen Schichten lackiert, sodass die Lackschicht nicht 100% deckend ist.

Lackieren

Für die Lackierung habe ich Belton Special Metallic Anthrazit Lack verwendet.

Um die Maske etwas realistischer aussehen zu lassen habe ich an den Kanten mit einem trockenen Pinsel Revell Silber Metallic Farbe aufgetragen um Kratzer und Abnutzung zu simulieren. Da die Maske aber ansonsten einen sehr sauberen hightech Look hat habe ich auf weiteres Weathering wie Schmutz oder Rost verzichtet.

Die Lackierung wurde anschließend mit MoTip Clear Varnish versiegelt. Ich habe im Vorfeld 4 verschiedene Klarlacke getestet, denn wenn er zu matt gewesen wäre, wäre der Metallic Effekt der Lackierung verloren gegangen.

Montage

Die Kleinteile haben Zapfen, die in einer Bohrung in der Maske mit Epoxidkleber verklebt wurden. Das hält für die Ewigkeit :D

Der Visor wurde zugeschnitten und am Rand mit kleinen Bohrungen versehen, sodass auch hier der Epoxidkleber die PET-G Scheibe perfekt festhalten kann.

Befestigung

Die Befestigung am Kopf erfolgt durch ein elastisches Band, an das ich vorher einen Klettverschluss für die Längenregulierung genäht habe. Es wird mit einer Steckschnalle geschlossen und die Enden wurden jeweils auch mit Epoxidkleber auf der Innenseite der Maske angeklebt.

Zu guter Letzt habe ich für mehr Tragekomfort noch schönen weichen Evazote Schaumstoff auf die Innenseite geklebt.